Ein Asiate mit Wohnzimmerqualitäten – und überraschender Küche

Wien hat seit einigen Jahren in Simon Xie Hong einen neuen Star der asiatischen Küche. Sein Restaurant ON ist inzwischen zu einem Ort unprätentiöser kulinarischer Überraschungen geworden. Mit den Kolleginnen von den Österreichischen Food Bloggern sind wir auf ein Testessen eingefallen – und es war phänomenal! Küche wie Lokal sind wahrlich zum Wiederkommen…

Das ON ist in die Räumlichkeiten des ehemaligen Podium in der Wehrgasse 8 im fünften Bezirk gezogen – aber das ist jetzt schon zwanzig Jahre oder so her, seit ich dort ums Eck gewohnt habe und es mein Stammlokal war.

Das ON folgt einem einzigartigen Konzept: es ist weder ein traditioneller Asiate mit Dingdong-Musik und diesen albernen Lampions, noch ein cool gestylter Asiate nach Londoner Schablone – es ist mehr ein typisch Wiener Beisl. Das macht es schon beim Eintreten gemütlich – Marke verlängertes Wohnzimmer. Obendrein sind die Weinkarte umfangreich und die Bedienung kompetent; ideale Ingredienzien für einen gelungenen Abend.

Nicht anders die Küche: manches mutet klassisch chinesisch an und erweist sich dann etwas anders, aber immer pfiffig gewürzt. Schärfe darf offenbar sein, hält sich aber gekonnt jenseits der Brutalität. Nichts von den vielen Gerichten, die wir verkosten konnten, ließ sich in die langweilige Reihe der anderen Chinesen dieser Stadt einreihen, selbst das Gan Bien Rindfleisch: ein Gericht, das ich lieben könnte, wenn es denn ab und zu eins gäbe, das es lohnte. Und im ON lohnt es sich! Das ist nach der Ausstattung der zweite große Pluspunkt.

Unter den zahllosen Vorspeisen sind mir ein exzellentes Fischtatar sowie ein Grüne Papaya-Salat mit überraschender Note von Fischsauce besonders in Erinnerung geblieben, sowie ein zart geschmortes Rindsbackerl in hauchdünnen Scheiben – kalt serviert. Das ist traditionell, aber eben kunstfertig aktualisiert. Außerdem ein Salat aus geräuchertem Tofu und Stangensellerie, der einfach fabelhaft harmoniert hat.

Die Hühnerleber mit Lauch war butterweich und zart, raffiniert aromatisiert. Obwohl ich sonst kein großer Freund von Leber bin: auf der Karte habe ich auch Sautierte Lammleber mit koreanischer Birne entdeckt: die sollte ich bei einem nächsten Besuch aber wirklich ausprobieren.

Eine Dorade im Ganzen mit Gemüsen und Kräutern zeigt, dass die in der Tageskarte ausgelobten Fjordforelle zweifellos ein Versprechen ist. Auch die Calamari mit Wok-Gemüse und handgezupften Nudeln – wie einst beim Nudelmeister in Hietzing – lassen sich als Gedicht beschreiben.

Die Geschmorten Melanzani sollen vorzüglich gewesen sein, die wurden aber mir nix dir nix von den vegetarischen Kolleginnen verputzt, sodass ich nicht mal mehr ein Futzerl zum Kosten gekriegt habe. Trotzdem: mir hat’s offensichtlich geschmeckt. Ein Lokal mit Suchtfaktor – eben wegen der Wohnzimmerqualitäten! Und dass ich in der Wehrgasse 8 gerne hängen bleibe, hat ja schon Tradition…

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