Pizza im Bobo-Quartier: das Pizzaquartier

Das Wiener Karmeliterviertel ist längst als Heimat der Bobos verschrien.

2015-02-21 Samstag am Karmelitermarkt Wien - 9368

Das hat sich selbstredend auf die lokale Wirtshauskultur ausgewirkt. Genau genommen gibt es keine Wirtshäuser mehr rund um den Karmelitermarkt und vor bis zur Taborstraße. Statt den bodenständigen Lokalen, die sich früher dort befunden haben, sind die gestylten Ausspeisen für World Food und Veganes eingezogen.

[fancy_header variation=”teal”]Pizzaquartier[/fancy_header]

Natürlich kann man da mittendrin nicht einfach Pizza verkaufen, nein, man muss schon ganz tief in den Marketing-Topf langen. So tun es die Leutchen vom Pizzaquartier (zu einer Homepage haben sie es zwei Jahre nach der Eröffnung auch noch nicht gebracht).

Man bereitet die Pizzaböden also nicht mit Hefe sondern mit Livieto madre, einem Sauerteig, der sich durch besondere Triebfähgikeit auszeichnet. Das sieht man dann auch gleich den Pizzen an: der Teig treibt am Rande voluminöse Blasen auf. Allerdings verkokelt die Oberfläche beim Backen im Holzofen. Schaut lustig aus, macht sich aber nicht eben delikat.

Der Teig schmeckt aber zuerst fein und erfreulich ungermig, wenn der Neologismus gestattet ist. Er hat aber den Nachteil, dass die ganze Pizza, noch während man isst, jegliche Knusprigkeit einbüßt. Ich habe noch selten eine so lätscherte zweite Pizzahälfte gegessen. Das kriegt man sonst nur im Karton des Lieferservice hin.

Der Belag allerdings ist von bester Qualität, man schmeckt den ausgewählten Mozzarella. Die sicherlich handverlesenen Toppings sind sparsam eingesetzt, was ich sehr positiv fände, wäre nur der Boden knuspriger. Am Anfang ging’s ganz passabel, hat aber schnell nachgelassen.

Insgesamt rechtfertigt das Gebotene die Preislatte aber nicht wirklich. Dazu kommt eher schlappes Personal und eine ausgeprägte Unkultur beim Bier: will man die in Wien endemische Ottakringer-Brühe nicht, kann man nur auf die Weisse aus Salzburg ausweichen. Das ist klar eine Verbesserung, aber so richtig glücklich werde ich auch damit nicht.

Ich würde mir eine solche Kultur bei den Toppings mit einem besseren Teig wünschen! Obwohl das Wünschen noch nie geholfen hat…

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