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Hoteltip Venedig: Malibran
Gleich neben dem Teatro Malibran: das gute Mittelklasse-Hotel Malibran liegt nahe am touristischen Trampfelpfad vom Bahnhof zum Rialto, doch hinreichend weit weg, um tagsüber wie nachts ausreichend Ruhe zu gewährleisten. Über Hofer-Reisen war’s diesmal nachgerade billig.
Die Zimmer sind – bis auf eins je Etage, das eine hat keinen direkten Zugang zu einem Bad, da geht’s über den Gang – komfortabel ausgestattet und für venezianische Verhältnisse riesig:
Das hoteleigene Restaurant ist mittelprächtig, auf jeden Fall eine Spur zu teuer für das Gebotene. Gleich nebenan weiter bietet die Osteria il milion hervorragende Küche, wenn auch nicht eben billiger als im Malibran. Vor allem steht eine Artischockensuppe auf der seit langem unveränderten Karte, an der man keinesfalls vorbeigehen sollte.
Osteria il Milion – Venezia
Ein Lokal, das wir bei jedem Aufenthalt in Venedig gerne wieder beehren, ist das il Milion gleich beim Teatro Malibran. Das Lokal wird trotz seiner Nähe zum touristischen Trampelpfad vom Bahnhof zum Rialto hauptsächlich von Italienern frequentiert, aber auch internationale Kundschaft, die an gutem Essen interessiert ist, nimmt gerne Platz.
Die Karte ist seit Jahren unverändert, wenn es auch Tageesgerichte und manche saisonalen Angebote gibt. Wir haben uns in die Zuppa di carciofi verliebt: zu dieser cremige Artischockensuppe mit hauchdünnem Parmesanhäubchen hätt’ ich gerne das Rezept. Sie ist lindgrün und schmeckt phantastisch nach frischen Artischocken!
Aber auch das Carpaccio di pesce spada, hauchdünn geschnittener roher Schwertfisch mit frischem Pfeffer und dunkelgrünem Olivenöl, ist jede Sünde wert. Auch das hauseigene Rezept zu Sarde in saor ist köstlich. Bis zu den Hauptspeisen kommen wir da erst gar nicht, man will ja schließlich mehr als einmal am Tag einkehren, wenn es draußen nicht eben warm ist wie im Dezember.
Oder eben die Torta caprese al cioccolato e mandorle…
Zu finden am Campo San Giovanni Grisostomo
Trattoria all’Antica Mola – Venezia
Sie steht inzwischen in jedem Reiseführer, aber eben auch nach wie vor im Slow Food Guide Osterie d’Italia, was für konstante Qualität unbeindruckt vom Touristenstrom bürgt.
Nach wie vor stehen an der Theke der Trattoria all’Antica Mola die Menschen aus der Nachbarschaft auf eine ombra und tratschen mit dem alten Eigentümer oder scherzen mit der jungen Chinesin, die seit einigen Jahr hier das Service betreut. Familien feiern gerne hier mit einem ausgelassenen Weihnachtsdinner, man zelebriert ein mehrgängiges Mittagessen, ehe man weiter seiner Wege geht.
Nichts ist hier hektisch, man spürt förmlich, wie man auch noch im Vergleich zur ohnehin langsamen venezianischen Zeitempfindung gebremst wird.
Die Küche ist unprätentiös, bodenständig – man müsste sagen lagunenständig: es gibt Meeresfrüchte und Fisch, allem voran die unvergleichlichen Sarde in saor:
Darüber hinaus: herrliche Vongole in Weißwein, wie sich’s gehört mit frischer Petersilie und viel Knoblauch zubereitet, eine himmlische Zabaione mit flaumiger Panetone zum Abschluss. So kann man sich sogar Weihnachten gefallen lassen.
Zu finden ist sie abseits der Touristenpfade an der ruhigen Fondamenta degli Ormesini im Viertel Santa Lucia.
Besser. Einfach.
Wer sich in Venedig aufzuhalten gedenkt, wird gemeinhin davor gewarnt, dass die kulinarische Szene der Lagunenstadt in erster Linie geprägt wäre vom Touristennepp und astronomischen Kosten bei überschaubarer bis geringster Qualität, vorgetragen mit halbseidenem Schmäh. Und selbst wo man ordentlich essen könne, brenne man – im Sinne einer monetären Gästerasur.
Gut: das mag alles vorkommen, und nicht einmal selten, schließlich ist Venedig der Hotspot der touristischen Umtriebe Italiens – und so manches andere Land tut sich schwer, einen ähnlich hohen Grad an Kommerzialisierung und Frechheit überhaupt zu erreichen. Doch es ist auch eine Stadt mit kulinarischem Flair, mit bodenständiger Küche zu weniger als gutbürgerlichen Preisen. Es ist wie meistens auf dieser Welt eine Frage des gewußt wo.
Was also wäre naheliegender, als sich einem Führer anzuvertrauen. Doch die Erfahrung sagt, dass die Lokale, die in herkömmlichen Reiseführern genannt werden, ihren Eintrag in den wenigsten Fällen ihrer Qualität und Preiswürdigkeit verdanken, geschweige denn ihren kulinatischen Leistungen oder ihrer Authentizität.
Zum Glück bieten sich spezielle Cicerones an:
Machen wir den Anfang mit dem titelgemäß vielversprechenden Band Venedig genießen – 200 authentische Rezepte und Lokaltipps von Gerd Wolfgang Sievers, das überwiegend aus Rezepten besteht und nur einen sehr knappen Anhang mit den versprochenen Lokaltipps enthält. Unter diesen finden sich jedoch viele Lokalitäten, die entweder in der Serenissima notorisch sind wie Harrys Bar oder aber in jedem durchschnittlichen Reiseführer Aufnahme finden.
Als Kochbuch gut zu gebrauchen, ebenso zur Vorabinformation, was denn in Venedig abgesehen von Pizza und Pasta asciuta so auf den Teller kommt, sehr zu empfehlen. Als kulinarischer Wegbegleiter durch die feindliche Lokalszene aber von nur geringem Mehrwert gegenüber dem Reiseführer. Der wesentliche Gewinn besteht vielleicht noch darin, sich auf eine Küche mit viel Fisch und Meeresfrüchten einzustellen.
Von ganz anderem Kaliber ist da schon das unscheinbare Büchlein Besser. Einfach. des Wiener Autors Günter Schatzdorfer, der sich gerne mit dem Schauspieler Wolfgang Böck auf Entdeckungsreise begibt.
Seinem Untertitel gemäß versprechen die beiden Genussmenschen Eine kulinarisch-kulturelle Reise durch die Lagunen nach Venedig – und das halten sie auch. Der unangestrengte Plauderton trägt allerhand Wissenswertes und schlicht Interessantes vor, die ausgeprägte Liebe der beiden zu Speis’ und Trank führt denn auch in eine Vielzahl von Lokalitäten – auch wenn sie nicht lexikalisch gelistet und mit korrekten Adressen aufgeführt sind. Ein Reisehandbuch für Faule ist es nicht, eher ein ungewichtiger Schmöker, der so manches verrät, unter anderem eine Menge von einfachen Lokalen, in denen man zu geradezu lächerlichen Preisen hervorragend zu essen bekommt – und das nicht nur im venezianischen Hochpreiskontext.
Schatzdorfer und Böck entführen in Osterie, die mittags von Arbeitern oder Studenten frequentiert werden und nur ein oder zwei Gerichte anbieten, die dafür konkurrenzlos gut und billig, aber auch zu Wirtsleuren, die alte Traditionen und die mikrolokale Verankerung in ihren Vierteln noch pflegen, sich im besten Fall um eine einheimischenschonende Integration ihrer internationalen Gäste bemühen. Man lernt hier Gegenden kennen und schätzen, in denen einen der normale touristische Trampelpfad nicht führen würde, die dafür umso ehrlicher venezianisch sind. Es lohnt sich, das Buch mit Notizblock und Stadtplan bei der Hand zu lesen…
Als besonderes Goodie ist die kurze Venezianische Weinkunde anzusehen, die sich während meiner letzten beiden Aufenthalte ernstlich bewährt hat.
Ein Buch, auf das man bei Reisen zu unseren südlichen Nachbarn unter keinen Umständen verzichten sollte, ist der Slot Food-Führer Osterie d’Italia, momentan in der Ausgabe 2010/11:
Venedig sind in diesem voluminösen Verzeichnis preiswerter Gaststätten mit herausragender Küche nur einige wenige Einträge gewidmet, aber das reicht immerhin, um ein paar kulinarisch ertragreiche Tage zu beiden Seiten des Canale Grande zu verbringen.
Erkenntnis aus dieser Vor-Lese: es gibt erstens brauchbare Bücher zum Thema Kulinarik in Venedig und zweitens gute Chancen, beim Schlemmen keineswegs bankrott zu gehen, getreu dem Motto: Besser. Einfach. Ein ehrlicher Dank gebührt dafür Günter Schatzdorfer und Wolfgang Böck.







