Archiv für die Kategorie „Reisen“
Fundgrube für passionierte Frühstücker
Nicht umsonst nennen sie sich Die Früchstückerinnen – es ist ganz und gar phantastisch, was da für eine kulinarische Herkulesarbeit – oder muss man sagen: Herkulinenarbeit? – drin steckt, das (ziemlich) komplette Angebot in und um Wien abzufrühstücken.
Ich suche öfter mal eine zündende Idee für einen morgendlichen Business-Termin. Da kann ich mir jetzt nur gratulieren, dass ich die Frühstückerinnen gefunden hab… Danke vielmals!
Die Kasjaus’n nach dem Markt
Leider neige ich beim Schlendern übern Karmelitermarkt ganz außerordentlich dazu, von all den Leckerbissen auch zu kaufen.
Besonders der Käs hat’s mir angetan… Und wer weiss schon, wie lang wir jetzt wieder auf ein Wetter wie dieses warten müssen?
DAMOA – Insel in der Beton- und Glaswüste
Schön ist das ganze ja nicht – oder nur auf den Fotos auf der Homepage – dafür sorgt schon die neuerdings nicht mehr Hilton- sondern Raiffeisen-Passage genannte Umgebung, nichts anderes als ein Durchgang von der Landstrasse Wien Mitte zum Raiffeisengebäude und seinem sündhaft hässlichen Parkhaus.
Die ganze Gegend ist ja eine einzige Baustelle, und was da errichtet wird, verheißt rein gar nichts Gutes: in all dem Beton und Glas wird vermutlich ein Gourmet Spar das Höchste der Gefühle sein – schade um die Markthalle, die diesem städtebaulichen Kahlschlag zum opfer gefallen ist. Aber kann man was dagegen tun? Nein.
Das Damoa aber ist, wenn man sich mit der grauslichen Gegend abfinden kann, ein Lichtblick. Es hat kein Flair, aber es ist immerhin auch keiner von den London style Asiaten, die mehr Wert auf Design und geschmalzene Preise denn auf gutes Essen legen, und auch kein mit allerhand Plastikramsch auf gemütlich getrimmtes Familienrestaurant. Es ist was es ist: ein Diner in des Wortes bestem Sinn, schlicht möbliert, aber nicht ungemütlich zum Sitzen, dafür mit einer Speisekarte, in der die Auswahl der meisten anderen Asia-Restaurants deutlich übertroffen wird.
Die Tom Yam Gung ist zwar nicht, wie angepriesen, ernstlich scharf, aber das ist wohl dem allgemeinen mitteleuropäischen Geschmack geschuldet; sie ist immerhin sehr gut! Auch beim gekühlten Tofu mit rohem Thunfischtatar gibt es nichts zu meckern, dezenter frischer Tofu, frischer Fisch sowieso. Die Vorspeisen sind mengenmäßig nicht eben knapp gehalten und dabei noch preiswert.
Die Thai-Curries erweisen sich als schmackhaft, wenn auch nicht ganz so urwüchsig wie im Bhung Bui.
Man muss nicht extra von weit her anreisen, aber für alle, die in der Nähe zu tun haben, ist das Damoa ein Lichtblick in der sonst nicht gerade einladenden gatronomischen Landschaft von Wien Mitte…
Ein Asiate mit Wohnzimmerqualitäten – und überraschender Küche
Wien hat seit einigen Jahren in Simon Xie Hong einen neuen Star der asiatischen Küche. Sein Restaurant ON ist inzwischen zu einem Ort unprätentiöser kulinarischer Überraschungen geworden. Mit den Kolleginnen von den Österreichischen Food Bloggern sind wir auf ein Testessen eingefallen – und es war phänomenal! Küche wie Lokal sind wahrlich zum Wiederkommen…
Das ON ist in die Räumlichkeiten des ehemaligen Podium in der Wehrgasse 8 im fünften Bezirk gezogen – aber das ist jetzt schon zwanzig Jahre oder so her, seit ich dort ums Eck gewohnt habe und es mein Stammlokal war.
Das ON folgt einem einzigartigen Konzept: es ist weder ein traditioneller Asiate mit Dingdong-Musik und diesen albernen Lampions, noch ein cool gestylter Asiate nach Londoner Schablone – es ist mehr ein typisch Wiener Beisl. Das macht es schon beim Eintreten gemütlich – Marke verlängertes Wohnzimmer. Obendrein sind die Weinkarte umfangreich und die Bedienung kompetent; ideale Ingredienzien für einen gelungenen Abend.
Nicht anders die Küche: manches mutet klassisch chinesisch an und erweist sich dann etwas anders, aber immer pfiffig gewürzt. Schärfe darf offenbar sein, hält sich aber gekonnt jenseits der Brutalität. Nichts von den vielen Gerichten, die wir verkosten konnten, ließ sich in die langweilige Reihe der anderen Chinesen dieser Stadt einreihen, selbst das Gan Bien Rindfleisch: ein Gericht, das ich lieben könnte, wenn es denn ab und zu eins gäbe, das es lohnte. Und im ON lohnt es sich! Das ist nach der Ausstattung der zweite große Pluspunkt.
Unter den zahllosen Vorspeisen sind mir ein exzellentes Fischtatar sowie ein Grüne Papaya-Salat mit überraschender Note von Fischsauce besonders in Erinnerung geblieben, sowie ein zart geschmortes Rindsbackerl in hauchdünnen Scheiben – kalt serviert. Das ist traditionell, aber eben kunstfertig aktualisiert. Außerdem ein Salat aus geräuchertem Tofu und Stangensellerie, der einfach fabelhaft harmoniert hat.
Die Hühnerleber mit Lauch war butterweich und zart, raffiniert aromatisiert. Obwohl ich sonst kein großer Freund von Leber bin: auf der Karte habe ich auch Sautierte Lammleber mit koreanischer Birne entdeckt: die sollte ich bei einem nächsten Besuch aber wirklich ausprobieren.
Eine Dorade im Ganzen mit Gemüsen und Kräutern zeigt, dass die in der Tageskarte ausgelobten Fjordforelle zweifellos ein Versprechen ist. Auch die Calamari mit Wok-Gemüse und handgezupften Nudeln – wie einst beim Nudelmeister in Hietzing – lassen sich als Gedicht beschreiben.
Die Geschmorten Melanzani sollen vorzüglich gewesen sein, die wurden aber mir nix dir nix von den vegetarischen Kolleginnen verputzt, sodass ich nicht mal mehr ein Futzerl zum Kosten gekriegt habe. Trotzdem: mir hat’s offensichtlich geschmeckt. Ein Lokal mit Suchtfaktor – eben wegen der Wohnzimmerqualitäten! Und dass ich in der Wehrgasse 8 gerne hängen bleibe, hat ja schon Tradition…
Quiet Days in Tallinn
Von wegen! Tallinn, die Hauptstadt Estlands, ist ein Mittelalter-Disneyland für täglich tausende Kreuzfahrt-Touristen – zumindest auf den ersten Blick. Zahllose Studentinnen und Studenten albern in mittelalterlichen Kostümen herum, verkaufen vermeintliches Handwerk und Delikatessen, bequatschen einen zum Besuch des oder jenen Lokals. Das alles nervt mich für gewöhnlich, da werde ich geradezu renitent.
Aber der Wirbel lässt merklich nach, sobald die Tagestouristen wieder in ihre schwimmenden Gemeindebauten zurück gekehrt sind. Mit Anbruch der Dämmerung ist der Spuk vorbei, die Stadt atmet durch, die Keiler verschwinden, und Tallinn zeigt, dass es auch ernsthaften Charme hat.
Dann hat man auch Ruhe, sich ein Wenig umzusehen und eine kulinarische Wahl zu treffen.
Ich bin kein großer Freund der deutschen Küche – auch dessen, was in Österreich zu nah daran ist – und daher hab ich so meine Probleme, wenn eine Nationalküche sich an diesen Genussraum allzu eng anschließt: die estnische Küche behauptet dies von sich, und auch Einflüsse der polnischen und gar der finnischen Tradition erwärmen mein Herz nicht wirklich.
Das Kaerajaan (Homepage in Englisch) ist der seltene Glücksfall, dass mitten in dem kulinarischen Mittelalter im Zentrum Tallinns einer auf radikale Modernisierung setzt: das traditionelle Kama-Mehl wird zu Palatschinken mit Lachskaviar verarbeitet, aus Ziegenkäse wird ein herrliches Soufflée mit Beeren zubereitet, die unvermeidlichen baltischen Heringe machen sich sehr gut in einem ganz und gar unbodenständigen Salat. Auch die deftigen Stücke vom Rind, wild- oder Hausschwein erfahren hier eine radikal modernisierte Neudefinition – mit Eierschwammerl-Erdäpfelpürree, mit Gratins von Pilzen und Erdäpfeln oder Artischocken und Ziegenkäse. Nicht billig, aber überaus schmackhaft und bisweilen an der Grenze zum Genialischen. Gar kein Vergleich mit dem, was nebenan den Touristen kredenzt wird.
Deutliche Spuren in der kulinarischen Stadtlandschaft hinterlassen natürlich auch die Italiener, allein es gibt viel Pizza, wenig vertrauenswürdige Pasta und dergleichen mehr. Gute Italiener sind wie überall auf der Welt Mangelware. Das Controvento (internationale Homepage) liegt im malerischen Katharinengang:
Die Küche ist exzellent, mein Risotto mit Eierschwammerln ließ wahrhaftig keine Wünsche offen, auch den Meeresfrüchten ist hier dank der Nähe zum baltischen Gewässer durchaus zu vertrauen.
Falls es dann mal günstiger hergeben sollte, aber doch kein Fast Food:
das Spice (Homepage) bietet scharfe indische und etwas mildere thailändische Currys in großen Portionen zu sehr vernünftigen Preisen; daneben gibt es natürlich auch italienisch angehauchte Nudel-, Fleisch- und Fischgerichte sowie undefinierbar Internationales. Gekostet habe ich aber nur ein South Indian Chicken Curry und ein Pork Vindaloo, weil die Küche von echten Indern geführt wird. Und es hat sich wahrhaft ausgezahlt!
Zum Nachtisch bieten etliche Konditoreien neben Torten und Kuchen auch Pralinen an: Mehlspeisen gibt es überall gute, Chocolaterie Pierre und das Kehrwieder verfolgen aber einen eher traditionellen und im internationalen Vergleich unterentwickelten Ansatz bei ihren Pralinen: sie sind recht groß, mit wenig Pfiff gefüllt und mehr hausbacken als liebevoll handgefertigt.
Einzig Anneli Viik präsentiert Pralinen auf internationalem Stand: sie heissen allesamt nach Opern, schmecken hervorragend und zeugen von kunstfertige Materialbehandlung und Sinn für Geschmackskompositionen. Da dürfen sie dann auch was kosten.
Zum Absacken kann man natürlich ins Dachgeschoss des Radisson Blu Hotels fahren: der Blick über Stadt, Hafen und hinaus wo man an Tagen mit klarer Sicht angeblich sogar den gar nicht so weit entfernten Fernsehturm von Helsinki sehen kann, entschädigt für die satt schnöselige Atmosphäre.
Echt estonisches Versumpfen gibts dann noch im Hell Hunt, das sich hunderte von Biersorten zu führen rühmt. Jedenfalls besteht ausreichend Auswahl für jeden erdenklichen Geschmack, auch die Öffnungszeiten sind im Lokal, dessen Name Höllenhund bedeuten soll, offenbar sehr durch Kundenwunsch bestimmt. Man zeigt ein wirtshausschild aus barocken Tagen, das sich angeblich eingemauert über die russische und deutsche Besetzung sowie die Jahrzehnte der Sowjetherrschaft erhalten habe.
Quinoa-Salat auf steirisch – ein Rezept vom Wrenkh
Bei meiner ersten Teilnahme am Food Bloggers Austria Treffen gab es nicht nur viele nette Leute kennen zu lernen – es gab auch ein vollwertig orientiertes Dinner im Wrenkh in der Wiener Innenstadt. Mein Favorit daraus: Quinoa-Salat in steirischer Interpretation.
Das Foto ist halt nur vom Handy, aber wer sitzt schon gern im Lokal und hantiert mit der Nikon? Zuerst aber mal das Rezept, mehr zum Blogger-Treffen und zum Wrenkh danach…
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Griechische Schweinereien
Gourounopoulaki – ein Ferkelchen, frisch aus dem Ofen!
Zuerst warten alle gespannt, dass das Schwein kommt. Endlich trifft es ein – im Kofferraum von einem ausgebeulten Mazda. Zugedeckt schlummert da das Ferkelchen im Warmen.
Herrlich knusprig schaut das aus…
Rustikal serviert: mir wer’n kan Teller brauchen, die Sau und i.
Ein netter Abschied für dieses Jahr. Da hat man wirklich Lust, wieder zu kommen!
Griechische Grillerei
Anstelle eines Rezeptes:
Hier im Urlaub in Kakovatos am Westpelopones kann ich nicht so, wie ich vielleicht wollen würde:
- wenig Platz in der Küche
- spartanische Ausstattung derselben
- eingeschränktes Angebot am Bauernmarkt
- zu große Hitze drinnen wie draußen
- will ich auch noch beim Abwasch schwitzen?
Na gut: direkt am Tisch Hühnchen und Gemüse bruzzeln ist da eine prächtige Alternative.
Hoteltip Venedig: Malibran
Gleich neben dem Teatro Malibran: das gute Mittelklasse-Hotel Malibran liegt nahe am touristischen Trampfelpfad vom Bahnhof zum Rialto, doch hinreichend weit weg, um tagsüber wie nachts ausreichend Ruhe zu gewährleisten. Über Hofer-Reisen war’s diesmal nachgerade billig.
Die Zimmer sind – bis auf eins je Etage, das eine hat keinen direkten Zugang zu einem Bad, da geht’s über den Gang – komfortabel ausgestattet und für venezianische Verhältnisse riesig:
Das hoteleigene Restaurant ist mittelprächtig, auf jeden Fall eine Spur zu teuer für das Gebotene. Gleich nebenan weiter bietet die Osteria il milion hervorragende Küche, wenn auch nicht eben billiger als im Malibran. Vor allem steht eine Artischockensuppe auf der seit langem unveränderten Karte, an der man keinesfalls vorbeigehen sollte.
Osteria il Milion – Venezia
Ein Lokal, das wir bei jedem Aufenthalt in Venedig gerne wieder beehren, ist das il Milion gleich beim Teatro Malibran. Das Lokal wird trotz seiner Nähe zum touristischen Trampelpfad vom Bahnhof zum Rialto hauptsächlich von Italienern frequentiert, aber auch internationale Kundschaft, die an gutem Essen interessiert ist, nimmt gerne Platz.
Die Karte ist seit Jahren unverändert, wenn es auch Tageesgerichte und manche saisonalen Angebote gibt. Wir haben uns in die Zuppa di carciofi verliebt: zu dieser cremige Artischockensuppe mit hauchdünnem Parmesanhäubchen hätt’ ich gerne das Rezept. Sie ist lindgrün und schmeckt phantastisch nach frischen Artischocken!
Aber auch das Carpaccio di pesce spada, hauchdünn geschnittener roher Schwertfisch mit frischem Pfeffer und dunkelgrünem Olivenöl, ist jede Sünde wert. Auch das hauseigene Rezept zu Sarde in saor ist köstlich. Bis zu den Hauptspeisen kommen wir da erst gar nicht, man will ja schließlich mehr als einmal am Tag einkehren, wenn es draußen nicht eben warm ist wie im Dezember.
Oder eben die Torta caprese al cioccolato e mandorle…
Zu finden am Campo San Giovanni Grisostomo

















