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Zwei Vietnamesen

Diese Woche hat’s uns gleich zwei Mal zum Essen ins Restaurant verschlagen – und beide Male zu einem Vietnamesen.

Das eine Mal waren wir im Tata am Eck Schottenfeldgasse/Seidengasse – zufällig in der Gegend einen Termin absolviert und die Idee für gut befunden. Das Essen dann auch.

Ausgesprochen gut die BANH XEO, knusprige Reismehl-Palatschinken gefüllt mit Garnelen, Rind und Sojasprossen, oder BO GION, wirklich knuspriges Rindfleisch mit ein Wenig Schärfe.

Grade heute abend war’s dann das Pho & Saigon Market: wiederum BANH XEO, aber noch besser, geradezu ein Gedicht! Die nicht allzu üppige Karte bietet in erster Linie Küche aus der Region Hué, und das bedeutet: viel Fisch. Geschmeckt hat alles, von Ente bis Wolfsbarsch, phantastisch. Klare Empfehlung!

Tanti Auguri – der Weihnachtsabend

Der Tag beginnt gleich mit einem Marsch zum Rialto – der Markt ist das pulsierende Zentrum der Stadt. Und reihum haben sich eine Menge wunderbarer Lokale erhalten – oder neu aufgesperrt -, die ganz unprätentiös die täglichen Bedürfnisse der Marktbesucher und -standler bedienen. Was will man mehr…
Direkt am Markt hat das MURO seine Pforten geöffnet – samstags zu mittag gibt es auf dem Platz vor dem Lokal traditionellerweise Fritto Misto di Pesce mit einem Gläschen Prosecco, so auch an einem falschen Samstag wie Heiligabend. Ein Fixpunkt für unsere Venedigweihnachten schon seit Jahren. Aber erst mal ein Gang über den Markt.

Nahe am Markt liegt etwas versteckt das All’Arco, wo man sich zu einem ersten Spritz oder einem frühen Prosecco ein Panino nach Gusto zusammen stellen lassen kann, Crudo mit Carciofini oder Cotto mit Verdura grigliata, wenn man sich auf den zahllosen Tabletts partout nichts findet. Die offenen Weißweine sind immer aus edler Selektion.

Ankunft in Venedig

Und wieder sind wir abgehaut. Das hat schon Tradition, dass wir die Weihnachtsfeiertage nicht daheim verbringen. Und wieder ist es Venedig geworden. Ist ein Rutsch mit dem Auto, wir können auf der Rückfahrt hemmungslos Lebenmittel einkaufen, die hier so nicht so einfach erhältlich sind – angefangen vom Fisch auf dem Rialto-Markt.

Abgestiegen sind wir diesmal erstmalig über airbnb bei Paolo in seinem Appartement in Canareggio. Das hat für unsere Zwecke besser geklappt als jedes Hotel, das wir dort jemals hatten… Wir schätzen es, wenn wir morgens, nachmittags und abends in Ruhe guten Tee trinken können. Und das geht in keinem Hotel. Selbst wenn sie einem eine Gelegenheit zum Wasserkochen zur Verfügung stellen, scheitert es auf jeden Fall an gemütlichen Sitzgelegenheiten. Daher sind wir dazu übergegangen, nach Möglichkeit Appartements zu mieten. Hier waren wir jedenfalls vollauf zufrieden. Danke, Paolo, für die Gastfreundschaft!

Das Appartement liegt an der Ponte delle Guglie, Blick auf einen engen Hinterhof mit Baumbestand. Es sind nur ein paar Schritte ins Ghetto, und damit auch nicht weit von unserer Lieblingsecke, dem Fondamente de le Capuzzine.

Gleich nach der Ankunft und dem Einziehen sind wir losgezogen, ein paar von den Bars aufsuchen, um einen Willkommens-Spritz und ein paar Gläschen Weissen zu uns zu nehmen – nicht zu vergessen, uns durch die zahlreichen Cicchetti zu kosten.

  • Die Cantina aziende agricole von Roberto Berti hält neben einer reichen Auswahl an Weinen aus ganz Italien, aber mit Schwerpunkt auf den Nordosten, verschiedene Polpetti bereit, mit Melanzane, Salsiccia, Carciofini oder Fleisch.
  • Die Enoteca Do Colonne liegt wieder etwas abseits, hat dafür wieder echt Charme und bietet ausgezeichnete Leckereien – und natürlich eine Reihe hervorragender Weine, auch glasweise. Hier gibt es aiuch Tramezzini mit dunklem Brot. Einer der wenigen Bacari mit Homepage.
  • Im Vecia Carbonera, direkt am Trampelpfad, geht es weniger liebevoll, dafür aber trotzdem noch bodenständig zu. Keine besonderen Spezialitäten, was zum Dazuknabbern halt, aber ausgezeichneter Hauswein.
  • Man muss am McDonald’s vorbei, und zwar direkt daneben in die winzige Gasse, um ins Cà d’Oro la Vedova zu kommen, das wahrlich eine Institution in Venedig ist: falls man hier essen wollte, müsste man entweder lang vorher reservieren oder sein Glück versuchen, indem man für hiesige Verhältniss deutlich zu früh zum Abendessen kommt… Für Barsteher gibt es eine kleine, feine Weinauswahl und eine übersichtliche, aber phantastische Palette an cicchetti.
  • Und ein paar Meter weiter stößt man – neben der Osteria all’Ombra, die nicht weiter erwähnenswert ist – auf eine Bar, in der es bisweilen Live Jazz gibt. Trotz Lage direkt am Trampfelpfad gibt es leidlich Leckereien und Weine zu durchschnittlichen Preisen.
  • Gleich weiter rechts in die Salizada S. Canzian zur wunderbaren Bar Un Mondo di vino: ein wahres Paradies für Fans von kleinen gebratenen, gegrillten, gefüllten Tintenfischen! Manchmal mit Live-Musik, immer zum Bersten voll bis auf die Gasse raus.

Da braucht’s dann eigentlich kein Abendessen mehr…

Will man im stadtnahen Bereich des Dritten Bezirks sommers draußen sitzen, wird’s echt eng. Es gibt wohl ein paar Schanigärten an stark befahrenen Strassen, ein paar alteingesessene Wirtshäuser mit entsprechend wenig einladender Karte – und das Gasthaus Wild: hier lässt es sich bequem sitzen in der heißen Stadt, der Platz ist weiträumig und luftig genug, um noch ausreichend Luft zu kriegen.

Dabei kann man aus einer reichhaltigen Karte überraschende Schmankerl wählen.

Eierschwammerl-Leberkäs

Eierschwammerl-Leberkäs

Was soll ich sagen? Das Grobschlächtige des Leberkäs wird elegant domestiziert von den kleinen Eierschwammerln im Brät.

Leider ist der Zwiebel-Senf, zwar hausgemacht, aber neben dem Leberkäs viel zu phantasielos, eine banale Mischung aus Tubensenf und rohen Zwiebeln. Auch das Brot, hundsnormales Hausbrot mit Olivenöl gebräunt, lässt deutlich zu wünschen übrig. Man kann jedoch darüber hinweg sehen: der Leberkäs versöhnt mit allem, was man ja eh weglassen kann.

Dennoch einer der Plätze, an denen sich’s gut sein lässt.

Pizza Taleggio e Prosciutto

Ein Stück mittelreifer Taleggio reicht ja fast allein als Belag – vielleicht noch etwas schwarzer und weißer Sesam, Zwiebelsamen, ein paar Kirschparadeiser, Thymian und – nach dem Backen – hauchdünner Prosciutto di Cremona.

Pizza Taleggio e Prosciutto

Pizza Taleggio e Prosciutto

Ich liebe dünne, knusprige Böden, daher kommt vergleichsweise wenig Germ in den Teig.

  • 10 g Germ
  • 1/16 l Wasser
  • 3 EL Olivenöl
  • 300 g glattes Mehl
  • Prise Salz
  • 2 TL griffiges Mehl zum Bestauben
  • 1 TL Knoblauchöl (oder Olivenöl mit 1 zerdrückten Zehe Knoblauch ansetzen)
  • 150 g Taleggio DOP
  • je 1 EL schwarzer und weißer Sesam
  • 1 TL schwarze Zwiebelsamen
  • 1 TL Thymianblättchen
  • 100 g Kirschparadeiser
  • 70 g hauchdünner Prosciutto

In einer Schüssel die Germ mit wenig Wasser verrühren (am besten lauwarm), dann das Olivenöl einarbeiten. Mehl, das restliche Wasser und etwas Salz beigeben, zu einem groben Teig verkneten.

Anschließend den Teig mit Knethaken in der Schüssel oder manuell auf einer mehlbestäubten Fläche etwa 5 Minuten glatt kneten, zu einer Kugel formen. Mit griffigem Mehl bestäuben, mit einem Tuch bedecken und den Teig eine halbe Stunde im warmen Raum rasten lassen, bis sich sein Volumen verdoppelt hat.

Das Backrohr auf 200 Grad vorheizen.

Den Teig dünn ausrollen auf die Größe des Backblechs, wieder 10 Minuten rasten lassen und dann mit Taleggioscheiben belegen, die halbierten Paradeiser verteilen. Thymian, Sesam und Zwiebelsamen drüber streuen. Den Rand mit etwas Knoblauchöl bestreichen.

Je nach Dicke des Teigs zwischen 5 und 10 Minuten bei 200 Grad backen. Mit frischem Prosciutto belegen, ein paar Blätter Rucola oder ein Löffelchen Pesto können auch nicht schaden. Wir hatten einfach knackigen grünen Salat in seiner simplen Herrlichkeit.

I Carusi

Der Versuch im The Bangkok sozusagen im Vorbeigehen eine Ente zu entern, war leider nicht von Erfolg gekrönt. Ohne Reservierung: njet!

Ausweichshalber sind wir sodann im I Carusi zwei oder drei Ecken weiter gelandet: ein auf gediegen hergerichtetes Ristorante mit Pizza. Und da ich sowieso grad länger keine Teigfladen hatten, hab’ ich’s also hier probiert.

Die Auswahl an Pizzen liegt zwischen eher traditionell und wenig inspiriert. Aber was es gibt, ist gut: knuspriger, dünner Boden, wenig Belag, dafür feine Zutaten – also kein Wasserschinken, kein Klumpkäse, von Ärgerem ganz zu schweigen. Vor allem der kleine Salat kommt schlicht aber ehrlich daher; richtige verdura cruda… Salatblätter, nicht zu große, frische Karotten, Gurken – auf die saisonal bedingt nicht wirklich ausstehlichen Paradeiser hätt’ ich aber getrost verzichten können. Und: der Salat kommt ohne Dressing, man darf selber mit einem halbwegs erträglichen Olivenöl und einem leichten Rotweinessig Hand anlegen.

Insgesamt ein rundes Mahl, man kann in Wien deutlich schlechter dran kommen beim Pizzieren. Einen Umweg tät’ das Lokal aber auch keinen lohnen.

 

 

Verhungern werden wir nicht müssen

Grad mal hundertfünfzig Meter von unserem Haus tummelt sich das Abendessen…

Rehe vor der Haustür 1

 

Und Gegenschuss:

 

 

Rehe vor der Haustür 2

Da brauchen wir uns wenigstens keine Sorgen machen diesen Winter. Fleisch gibt’s genug. Bambi!!!

 

The Bangkok – Thai Restaurant

[Kurznotiz] Ja ja, wieder ein neuer Asiate. Zumindest ich war vorher noch nicht da. Aber dann die Überraschung: eine Knusprige Ente mit rotem Curry, wie ich sie noch nie, nie vorher gegessen habe…

The Bangkok, Thai Restaurant, Wien 7

The Bangkok, Thai Restaurant, Wien 7

Da komm ich nochmal her. Mehr davon beim nächsten Besuch.

Weihnachten in Venedig

Wir haben uns wieder einmal Feiertage fern von daheim gegönnt, wenn auch nicht gar so weit weg: ein paar Tage Venedig sind aber auch wie Urlaub. Gerade über die Feiertage ist es wohltuend, wie wenig Weihnachten in der Serenissima herrscht, während bei uns alles schon seit Wochen im Jingle-Bells-Takt taumelt…

Abgestiegen sind wir diesmal im DIMORA MARCIANA, einem winzigen Single-Floor-Hotel mit nur 6 Zimmern, die aber für venezianische Verhältnisse durchaus großzügig geschnitten und geschmackvoll historisch ausgestattet sind.

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Ich habe ziemlich günstig über laterooms.com gebucht: direkt über die Feiertage gibt’s Okkasionspreise, die erste Nacht nach unserer Abreise hätte allein mehr als die Hälfte des 4-Tages-Pakets gekostet. Man freut sich. Einzig die Lage war für unsere Zwecke suboptimal – obwohl ja in Venedig es nirgendwohin wirklich weit ist, das Ganze also durchaus zu verschmerzen -, weil mitten im Quartier der Nobelshops an der Salita San Moise gelegen. Dort kann man verdursten und verhungern, aber halt mit Prada, Pal Zileri, Ermengildo Zegna und dergleichen mehr. Wer’s braucht… Wir halten uns damit für gewöhnlich rein gar nicht auf.

Man kann das Hotel getrost empfehlen, einzig das Frühstück in seiner spartanischen Invarianz ist nachgerade dazu angetan, einen mit nüchternen Magen das Weite suchen zu lassen. Man sollte gleich ganz ohne Frühstück buchen, es gibt ja zum Glück in Venedig an allen Ecken – außer eben im Viertel rund um dieses Hotel – ausreichend Gelegenheit, sich zu stärken. Und ein kleiner Frizzante darf bekanntlich im Urlaub auch schon vor dem Zwölfeläuten sein. Man sollte sich jedenfalls nicht unnötig den Magen füllen mit dem unterdurchschnittlichen Zeug, das im Hotel bereitgestellt wird. Es ist nicht allzu weit – über den Campo San Stefano und die Accademia-Brücke – in die Bar alla Toletta, von der Accademia rechts nur einen einzigen kleinen Canale weit weg. Hier wartet eine reichhaltige Auswahl an Tramezzini und anderen mit Delikatessen belegten Brötchen und Weckerln auf das erste Hungerstillen: hervorzuheben das Tramezzino al Cavallo – ja, mit Pferd! Delicato!

Wir sind auch die lange Calle Fuseri bis zum Campo San Luca rauf, um dort im Marchini Time ein paar erste Süßigkeiten zu uns zu nehmen. Irgendwie muss man ja die Zeit bis zum ersten Sprizz oder Frizzante rum bringen.

Wenn nicht grade einer der gottlob nur zwei Feiertage ist, lauert von morgens bis in den frühen Nachmittag der Mercato Rialto mit seinen Genüssen: direkt am Gemüsemarkt liegt die Bar Muro, eines von drei Lokalen, die allesamt besuchenswert (Ristorante Muro San Stae eher sehr gehoben, Ristorante/Pizzeria Muro Frari etwas profaner) sind. Am Rialto betreibt man eine unprätentiöse Marktbar mit einem reichen Sortiment zu mehr als vernünftigen Preisen; samstags – oder eben am 24. Dezember, der ja quasi eine Art von Samstag ist – gibt’s auf dem Platz davor, der interessanterweise Campo Cesare Battisti già della Bella Vienna heißt, Fritto misto mit Polenta und einem Gläschen Chardonnay um wohlfeile pauschale 10 Euro. Wirklich deliziös.

Da bleibt einem dann fast nichts anderes übrig, als eine größere Verdauungsrunde zu drehen – notwendig wär’s ja nicht, weil nicht allzu weit entfernt in einer Parallelgasse zur breiten Ruga Vecchia San Giovanni (man kann’s durch eine Quergasse gut sehen) das All’Arco liegt, seit Jahren konstant eine der besten Cichetterias in Venedig – zum Glück gleich ums Eck vom Rialto, sodass man auf vielen Wegen irgendwie immer wieder mal daran vorbei kommt. Die Auswahl reicht von einfachen Salumes und Formaggi bis hin zu allerhand Innereien, Zunge und Meeresfrüchten, clever dekoriert – und mit eineinhalb Euro pro Stück auf jeden Fall eine Mezzie. Und die Eigentümer sind redlich bemüht, auch Fremden ihre Spezialitäten ans Herz zu legen. Die Qual der Wahl hat man auch mit den zahlreichen offenen Weinen, nichts überkandideltes, aber sehr gute Tropfen dabei. Hier sollte man wirklich auf den Sprizz verzichten und sich ein Schlückchen was Echtes gönnen.

Gleich ums Eck liegt das einstmals überregional berühmte Do Mori, das aber leider trotz üppigen Dekors inzwischen so abgestunken ist, dass man es besser meidet: geschmalzene Preise, lausiger Service, cichetti von zweifelhafter Qualität. Man scheint sich für das lukrative Ausnehmen von Touristen entschieden zu haben, die Reiseführer schicken ja gnadenlos alle vorbei. Wer sich nicht durch den Haufen Einheimischer zu zwängen traut, die mit Tellerchen und Gläsern in Händen vorm All’Arco stehen, ist selber schuld.

Noch ein paar Schritte weiter auf der Ruga Vecchia San Giovanni gibt’s die meines Erachtens einzige Pizzaschnitten-Station in Venedig, deren Produkte man auch essen kann: auf dünnem knusprigem Teig habe ich da einen Belag aus Radicchio, Frischkäse und Salsiccia bekommen, die zusammen auch einer ausgewachsenen Pizzeria alle Ehre gemacht hätten.

Eine wirklich ergiebige Gegend, gut abseits von allen Trampelpfaden gelegen, ist in der Nähe des neuen Ghettos am Fondamente Ormesini. Hier finden sich gleich 3 empfehlenswerte Lokale quasi in Speisenfolge beieinander:

Fondamente Orsini

Lokale am Fondamente Ormesini

Die Wartezeit bis zum Abendessen lässt sich im Al Timon (roter Punkt) bei ein paar Ciccetti und etwas Wein ganz gut verbringen: die Brötchen erinnern frappant an baskische Pinxtos, mit Zahnstochern auf kleine Weißbrotscheiben gespießte Köstlichkeiten. Hier ist aber alles authentisch italienisch. Baccalà (Stockfisch) traditionell venezianisch mit Butter, aber auch in scharfer Variante, dazu geräucherter Käse – mit Brombeeren! -, Salume und Prosciutti. Die Auswahl an Weinen ist lokal zugeschnitten, geht aber natürlich bis in die Colli Orientali del Friuli hinauf. Was wollte man noch mehr!

Danach zum eigentlichen Essen in die Trattoria Antica Mola (blauer Punkt) ein paar Schritte weiter Richtung Ghetto. Hier müssen jedesmal, wenn wir in Venedig sind, zumindest einmal die Sarde in Saor sein, auch die Zuppa di Vongole (die Rezepte bei Giallo Zafferano sind sehr brauchbar). Man kocht schnörkellos venezianisch, der Schwerpunkt liegt natürlich auf Meeresfrüchten und Fisch, aber es gibt auch Ente und Leber. Für einen halben Hummer auf leise knoblauchifizierten Bavetti al pomodori haben wir 16 Euro verrechnet bekommen – steht auch so auf der Kreidetafel. Bemerkenswert ist das Sortiment an Nachspeisen: saisonal bedingt natürlich Panettone con Zabaione oder (nicht so mein Fall) Dolci di natale, aber eine Torta di limone oder einfach frisches Obst.

Und zum Abschluss kann man in der Birreria Zanon (grüner Punkt) eine flüssige Geschmackskorrektur vornehmen – auf dem Heimweg lauert ja dann noch Il Santo Bevitore (magenta Punkt) für den einen oder anderen Absacker. Beim nächsten Mal werde ich sicher ein Hotel eher in der Nähe dort suchen, der Marsch nach Haus in die Nobelgegend war ziemlich lähmend.

Und ein nächstes Mal wird’s sicher geben, das haben wir schon im Vaporetto auf der Fahrt zum Flughafen beschlossen; vielleicht nicht gleich 2014, aber im Jahr danach bestimmt. Und vermutlich wieder zu Weihnachten. Es war nämlich herrlich entspannt – wie erwartet.

Nachschlag

Im Gassengewirr zwischen Rialto und San Marco, aber gleich beim Campiello San Bartolomeo im Durchgang Richtung San Marco, liegt direkt an einem der weniger frequentierten Pfade die Gelatoteca SuSo. Hier haben wir ein phänomenales Pistazien-Nougat-Eis mit Meersalz entdeckt – aber auch die dunkle Schokolade kann was.

Zwar beengt, aber erstaunlich gut

Ich hätt’ ja einiges verwettet, dass der Plachutta auf der Wollzeile sich vor dem Ansturm der Touristen inzwischen ins Banale gerettet hat. Umso erstaunlicher war’s dann, mit Geschäftsfreunden dort zu speisen – ja, das Wort ist angebracht. Dem Trubel geschuldet ist einzig das mehr als beengte Platzangebot, die Gäste sitzen wie die Legehennen; also ein klarer Fall von nicht artgerechter Gästehaltung. Und das wird auch der Grund sein, warum ich das Lokal so schnell nicht wieder beehren werd’.

Aber die Küche war gelinde gesagt sensationell, kompromisslos bodenständig, ohne übertriebene Schnörkel, astreine Handarbeit. Ich komm’ ins Schwärmen.

Man zelebriert das Rindfleisch, und das fängt schon – wie bei Plachuttas üblich – bei der Auswahl der Stücke an: vom namensgebenden Tafelspitz abgesehen kann man aus einer wohl 15 Stücke umfassenden Liste wählen, vom Mageren Meisel über Herren- und Kruspelspitz bis zum Beinfleisch bietet sich selbst dem einheimischen Connaisseur reichlich Qual der Wahl. Und die Liste der Beilagen ist schlicht vollständig. Klar hat das alles seinen gar nicht verschämten Preis, aber es ist jeden Zehner wert.

Aber auch das Wiener Schnitzel vom Kalb war mehr als anständig, ganz und gar tadellos, der dazu gereichte Erdäpfelsalat geradezu vorbildlich. Das kriegt man in Wien sonst nicht mehr so bald wo in vergleichbarer Qualität. Da hat sich selbst in gehobenen Häusern schon zu sehr der Convenience-Gedanke Bahn gebrochen. Aber gut, um den Preis darf man wohl auch saubere Arbeit erwarten.

Allerfeinst auch das Beef Tartare. Man findet’s nur noch selten auf der Karte, die große Mode scheint vorbei – was der Delikatesse aber keinerlei Abbruch tut.

Leider trifft das bei uns ubiquitäre Angebot an Ottakringer Bier so gar nicht meinen Geschmack. Es war zwar sauber gezapft, aber es bleibt halt doch ein Ottakringer. Wahrscheinlich merkt man daran, dass ich erst dreißig Jahr’ in Wien bin, ich kann mich noch an das Gute aus der alten Heimat erinnern…